»Der heilsame Schock« – Eine Müllerin kommt selten allein

Mehr als 700.000 Menschen in Deutschland tragen den Namen »Müller«, der auf das mittellateinische Wort »molinarius«, den Müller, zurückgeht. In fast jeder Stadt und in jedem Dorf gibt es Bewohner mit dem verbreitetsten Namen Deutschlands, so auch in Lüthorst. Beim unterhaltsamen Heimatabend stellte die Laienspielgruppe des Heimatvereins »Wilhelm Busch« ihr neues Werk »Der heilsame Schock« vor, in dem es um Verwechselungen und Änderungen in der Familie »Müller« ging. Ebenso wurde an diesem Abend der neue Heimatkalender 2012 vom Vorsitzenden Joachim Stünkel vorgestellt.

Lüthorst (mru). Der erste Vorsitzende des Heimatvereins »Wilhelm Busch«, Joachim Stünkel, freute sich, dass so viele Besucher zum traditionellen Heimatabend gekommen waren. Nach der Begrüßung »aller Heimatfreunde« stellte er den neuen Kalender 2012 vor, den der Verein selber herausgibt. Zum vierten Mal sei Willi Papenberg zuständig für die Auswahl der aussagekräftigen
Fotos, die die schönsten Seiten des Ortes widerspiegeln. Die schwarz-weißen Abbildungen, die aus dem Ende des 19. Jahrhunderts
und dem Anfang des 20. Jahrhunderts stammen, zeigen die Schmiede, das Pfarrhaus, den Kirchturm sowie Dorfbewohner beim Dreschen oder bei der Heu-Ernte. Zwei Monatsblätter sind extra in Farbe dargestellt, da sie die Bilder »Landschaft« und »Wirtshausscene« von Wilhelm Busch zeigen. Stünkel erklärte, dass auf der Vorderansicht mit Porträt von Wilhelm Busch die Dorfeiche, der Kirchturm und das Lüthorster Wappen zu sehen seien, das die drei Bäche und sieben Wüstungen des Ortes darstelle. Zusammen mit Hildegund Heinemeyer, Friedhelm Herbst und Werner Knigge sei der Kalender erstellt worden, der schon am Heimatabend viele Abnehmer fand. Interessenten könnten sich noch bis Sonntag, 4. Dezember, zwischen 11 und 12 Uhr beim
Vorsitzenden melden, Telefon 05562/590, info@wilhelmbusch-luethorst.de, um das limitierte Souvenir zu bekommen.

In ihrem Vortrag auf Plattdeutsch präsentierte Hildegund Heinemeyer ein Gedicht über einen »Herr Bente«, der sich mit vielen Blessuren herumärgern muss und deshalb einen Arzt konsultiert. Der Doktor kann dem Patienten außer mit Medikamenten nicht bei seinen Rücken- und Bandscheibenproblemen helfen, gibt ihm aber einen Ratschlag gegen kalte Füße. Er selber wärme sich bei Bedarf die Zehen unter der Decke seiner Frau. Daraufhin fragte der Patient, wann die Frau des Doktors ebenfalls für ihn Zeit
hätte, um auch ihm die Füße zu entfrosten, was den gefiel.

 

Der Heimatverein feiere im kommenden Jahr sein 15-jähriges Bestehen, kündigte Stünkel an, und er hoffte, dass die »kleine, aber feine« Laienspielgruppe noch weiter existiere, damit sie stetig unterhaltsame Werke präsentieren könnten. In diesem Jahr führten die Teilnehmer unter der Regie von Souffleurin Irmgard Müller das Werk »Der heilsame Schock« auf. Gerda Diekmann, Nicole Reitemeyer, Jan Kettler sowie Manfred und Brigitte Frohme präsentierten mit viel Witz, Elan und Situationskomik das Stück über Namensgleichheit, Verwechslungen, Egoismus, Ignoranz und Selbstverwirklichung. Hauptfigur der Geschichte war TillyMüller, die ihren 70. Geburtstag feierte. An ihren Festtag dachten aber eher das DRK, der Pastor mit segensreichen Lebenswünschen und der Vogelzuchtverein, in dem sie kein Mitglied ist, an ihren Ehrentag als der eigene Sohn Ralf und seine Frau Elli. Bei ihrem Besuch warfen sie Tilly vor, dass sie ihr Geld nicht verwalten könnte, immer noch das alte Mobiliar habe und sich nie richtig kleiden würde. Ralfs Meinung nach könnte seine Mutter nichts von ihrer Rente nutzen und nur »wie eine alte Putzfrau« leben. Als das Ehepaar noch einen Brief findet, aus dem hervorgeht, dass sich eine Frau Müller auf dem Friedhof die Parzelle 27a gekauft habe, sind sie
überrascht und empört. Ohne Tilly zu Wort kommen zu lassen, schlagen sie ihr gleich vor, ihr ebenfalls ein Grabstein zu schenken, der ohne das letzte Datum beim Steinmetz auf sie warten solle. Wieder alleine, bekommt sie Besuch von ihrer Nachbarin, Tekla Müller, die die eigentliche Inhaberin des Grabes ist. Beide sind der Meinung, dass die Jüngeren die »Menschen über 70 als vertrottelt halten« und »keiner mehr auf den anderen hört und alles nur noch selber macht«. Aus diesem Grund entscheidet sich Tilly mit ihrem Hut und ihrem verstaubten Koffer auf Reise zu gehen. Bei ihrer Rückkehr als elegante, modebewusste Dame im Pariser Stil verwundert sie Sohn und Schwiegertochter. Ihr Auftreten und Selbstbewusstsein verstörten die beiden noch mehr, ebenso wie die Tatsache, dass die rüstige Dame als Reiseleiterin bei Paris-Fahrten arbeitet. Da die Souffleuse und Organisatorin Irmgard Müller den selben Nachnamen wie die Hauptfiguren trägt, dankten die Akteure ihrer »Chefin« gemäß dem Motto »alles Müller oder was?«mit einem Präsent. Alle sechs Laienspieler bekamen vom Publikum für ihren Auftritt viel Applaus.

Im Anschluss an das Stück saßen die Besucher noch lange in gemütlicher Runde zusammen und tauschten Erinnerungen aus. Musikalisch wurde der Abend von denHarmonika-Freunden aus Sebexen, Dieter und Jürgen, mit ihrem »Alpensound« begleitet.

Mit frdl.Genehmigung der Einbecker Morgenpost.

Nachricht eingestellt am 28.11.2011 durch Patricia FIngerhut.