Heimatverein Wilhelm Busch » Nachrichten des Heimatvereins Wilhelm Busch » Archiv 2010 » Über dem Ort Lüthorst liegt noch immer ein Zauber
Kürzlich richtete der Heimatverein »Wilhelm Busch« aus Lüthorst seinen traditionellen Heimatabend aus. Über 100 Mitglieder des Vereins waren zu diesem Anlass in den »Sollingstern« gekommen, um einen gemütlichen Abend mit Spiel und Musik zu erleben.
Lüthorst (tc). Der erste Vorsitzende, Joachim Stünkel, begrüßte zunächst »alle Heimatfreunde«. Daraufhin wurde der Heimatkalender vorgestellt, den der Verein für das Jahr 2011 herausgibt. Zum dritten Mal habe Willi Papenberg aus seiner Sammlung Fotos und Bilder herausgesucht, die »vielfältige Projekte im Ort abbilden«. Es seien »erfrischende Motive«, die im Kalender erscheinen, so Stünkel. »Wir wollten wieder die schönsten Fotos zeigen, obwohl alle Aufnahmen des Ortesschön sind«, Papenberg habe eine »hervorragende Auswahl getroffen.« Nun stellte er die Bilder im Einzelnen vor.
»Auch dieser Kalender hat wieder zwölf Monate «, scherzte Papenberg, auch Motive von Wilhelm Busch seien »natürlich dabei.« Abgebildet sind Landschaftsmalereien des Künstlers und Personen des 19. Jahrhunderts, die für den Ort eine große Bedeutung hatten. Die Kirche mit der großen Linde ist ebenso als Foto enthalten wie »Bilder, die in Vergessenheit geraten sind«, so etwa das Haus »Wallhausen«. Auch die Molkerei und alte Dorfansichten finden sich im Heimatkalender 2011, Arbeiter auf dem Feld und Bilder aus Alt-Lüthorst runden die Fotostrecke ab. Eine Fotografie aus den 50-er Jahren ist ebenfalls enthalten, diese zeigt die »Ehrendamen«.
Nun entführte Irmgard Müller die Gäste auf eine Zeitreise, etwa 100 Jahre in die Vergangenheit: Sie las aus »Vom Segen eines einfachen Lebens«, das der Lüthorster Rudolf Just schrieb. Er habe damals einManuskript veröffentlicht, »wie man glücklicher leben« könne. Darin erzählt er von seinen »treuen, liebevollen Eltern« sowie seinen elf Geschwistern. Man habe ihn, seine Brüder und Schwestern »früh zur Arbeit erzogen«. Die Schulbesuche bleiben ihm in besonders schöner Erinnerung, schreibt er. In diesen »einfachen Zeiten« sei es »eine besondere Auszeichnung« gewesen, wenn man für den Kantor Stöcke im Wald sammeln durfte. Mit diesen bekam man in der Schule »auf die Finger«, wenn man sich nicht benahm. Natürlich habe man auch »heimlich geraucht«, weil »der Reiz des Verbotenen uns zu Helden und Märtyrern machte.« Man wusch sich in der Beeke, Seife gab es nur zweimal proWoche. Auch Pastor Georg Klein, den Onkel und Ziehvater vonWilhelm Busch, lernte Just kennen. »Jeder arbeitete und alle zogen an einem Strang«, Neid, Verbrechen und Gier gab es damals nicht. Die Haustüren standen nachts offen, Diebstahl war ein Fremdwort.Wer Verwandte in Hannover besuchen wollte, ging zu Fuß – 85 Kilometer. Auch die Ernährung war simpel, Fleisch wurde selten aufgetischt. Man ernährte sich hauptsächlich von Brot. Das Aufwachsen beschreibt Just als »anspruchslos und gesund«, durch die viele Arbeit an der frischen Luft blieb man von Krankheiten verschont, »Ärzte waren nicht nötig«. »Die Genügsamkeit des Einzelnen besteht leider kaum noch«, sagte Irmgard Müller zur Wandlung vom Agrar- zum Industriestaat. »Über dem Dorf lag ein Zauber«, schwärmt Just in seinen Aufzeichnungen, dieser solle möglichst lang erhalten bleiben, so Müller.
Anschließend führte die Laienspielgruppe des Heimatvereins das Stück »Mein emanzipierter Mann« auf. Ingrid Hein, Gerda Diekmann, Gitte und Manfred Frohme sowie Nicole Reitemeyer spielten mit viel Witz und Elan die Geschichte über eine spiegelverkehrte Beziehung. Hauptfigur war Paul, der komplett unter dem Pantoffel seiner Ehefrau steht: Er spült ab, während sie arbeiten geht. Wirft sie ihm an den Kopf »Du hast es gut, du kannst ja ausschlafen«, entgegnet er kleinlaut »Aber ich hole Dir doch frühmorgens die Brötchen «, worauf er sich wieder einen Rüffel einfängt. Wortwitz, Schlagfertigkeit und Einfallsreichtum zeichneten das Schauspiel aus. Danach saßen alle noch lange in gemütlicher Runde zusammen und tauschten lebhaft Erinnerungen aus. Musikalisch untermalten Dieter und Jürgen, die Harmonika-Freunde aus Sebexen, den Abend mit »Alpensound«.
Dieser Artikel stammt aus der Einbecker Morgenpost.